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Mein Puppenhaus.
Hier schreibt die Bauherrin selbst über ihr Werk und seine Entstehungsgeschichte.
Ich heisse Rosemarie Bickel, Freunde nennen mich Rosi, bin 56 Jahre jung und lebe auf dem Land. Genauer gesagt liegt unsere Gemeinde genau zwischen Murrhardter und dem Mainhardter Wald, im Landkreis Schwäbisch Hall. Es ist eine herrliche Gegend. Mittelgebirge, aber noch nicht so stark von Touristen überlaufen. Dort lebe ich zusammen mit meiner Freundin in einem Häuschen direkt am Waldrand auf dem Berg. Ich habe zwei erwachsene Söhne, zwei Schwiegertöchter und zwei Enkeltöchter. Meine Brötchen verdiene ich tagsüber beim zweitgrößten Rundfundsender der ARD, in der Musikredaktion von SWR 4 in Stuttgart.
Auch mich hat der Miniatur-Virus infiziert und das kam so:
Ich begann vor einigen Jahren mit dem Sammeln von Puppen. Eines Abends bummelten wir, meine Freundin und ich, durch die Königsstraße in Stuttgart und blieben- wie hätte es anders sein können- vor dem "Puppenstübchen" stehen. Aber was ich sah, waren keine Sammlerpuppen sondern ein wunderschönes Miniatur-Puppenhaus im Maßstab 1:12. Ich war infiziert! Diese Detailtreue und die Figuren! In diesem Haus lebte einfach alles. So ein Ding muß her dachte ich mir, aber der Preis ....!
Nun bin ich handwerklich nicht ganz ungeschickt und bald kam ich auf die Idee, mir so ein Puppenhaus selbst zu bauen. Ja, es ging mir einfach nicht mehr aus dem Kopf und dementsprechend oft redete ich davon. Mein jüngerer Sohn, selbst "Miniatur Schiffbauer" besitzt eine kleine Dremel-Werkstatt, und meinte, da sich mein Geburtstag näherte, so ein "Dremel" , das wäre doch auch ein schönes Geschenk für die Mama und besprach sich mit dem Rest meiner Familei. Alle legten zusammen und ich bekam eine fast komplette Werkstatt. Ich freute mich riesig. Also das Werkzeug hatte ich. Aber wie es so ist.... es kamen andere Dinge dazwischen; sehr viel Arbeit, mein Engagement im sozialen Bereich (ich habe über zwanzig jahre ehrenamtlich in verschiedenen Krankenhäusern für die Patienten Musikprogramme zusammengestellt und moderiert), unser Umzug nach Fichtenberg usw.
Also, kurz und gut, mein "Dremel" lag und lag. Ja, es schien fast als hätte ich mein Puppenhaus vergessen, aber eben nur fast, denn hin und wieder sprach ich davon. Und meine Söhne begannen mich schonzu foppen. Weihnachten vor zwei Jahren machte Martin,mein ältester Sohn "Nägel mit Köpfen". Er schenktemir ein altes Puppenhaus, das er irgendwo auf einem Flohmarkt erworben hatte, und gleich dazu ein paar Möbel. Das Puppenhaus stellte sich allerdings leider als viel zu klein für die Möbel raus, und auch die Möbel (moderne) waren leider nicht unbedingt das, was mir so im Kopf rumschwirrte. Dennoch habe ich mich sehr gefreut, denn unter all den Sachen waren auch brauchbare Dinge, die ich verwenden konnte. Von meiner Freundin bekam ich einen Küchenschrank, komplett gefüllt mit Geschirr, Büchern und anderen kleinen Geräten sowie einen Wohnzimmerschrank. Aber es dauerte nach mal ein Jahr bis ich endgültig anfing mein Haus zu bauen. Anfang dieses Jahres war ich einige Monate aus gesundheitlichen Gründen an das Haus gebunden. Den ganzen Tag allein daheim, mir fiel die Decke auf den Kopf. Nun begann ich mit dem Bau von Möbeln. Ich besorte mir gutes 4 mm starkes Sperrholz. Einen Katalog von Mini-Mundus hatte ich schon. Nun ging es los.
Dank der angegebenen Maße, zeichnete ich mir die Möbelstücke von vorne,der Seite usw. genau im Maßstab auf die Sperrholzplatte, sägte sie aus, schliff, beizte, klebte, lackierte sie. Zuerst das Schalfzimmer, dann nach und nach die anderen Möbel. Teilweise habe ich auch Bausätze gekauft (z.B. Standuhr, das Klavier) auf jedenfall habe ich bis auf die beiden Schränke alle Möbel irgendwie selbst gemacht. Tja, nun hatte ich zwar Möbel, aber dafür sah das zur Werkstatt umfunktionierte Esszimmer aus wie "eine Räuberhöhle". Das Haus musste her! Also habe ich bei OBI 10mm-starkes Pappel-Sperrholz gekauft. Und begann wild drauflos zu "zimmern". Aber es kam wie es kommen musste, immer öfter fiel mir das Werkzeug aus der Hand, ich verletzte mich, und ich musste operiert werden.
Vier Wochen lang konnte ich nichts aber auch gar nichts tun. Zwar ist meine linke Hand ein wunderbarer Assistent der Rechten, aber handwerken damit? Nun ich saß also und "hirnte". Alle meine Gedanken "hackte" ich mit der Linken in den Computer um sie später zu verwirklichen.
Wie das Haus aussehen sollte wusste ich ja. Da hatte ich meine Erinnerung und den Katalog zur Anregung und der Maße wegen. Sobald ich auch nur ein Stückchen Holz festhalten konnte, begann ich weiter zu arbeiten. Es war sehr hart und schmerzhaft aber auch ein wunderbares Training, denn so gewann ich meine Feinmotorik wieder.
Ja, und was aus dieser Geschichte nun geworden ist? Ihr könnt es an Hand meiner Fotos sehen. Das Haus ist bis auf die Lampen und ein paar Kleinigkeiten soweit fertig. Ich habe sogar das Gemüse, die Esswaren, die Blumen und Vasen (bis auf Glas) alles selbst angefertigt. Das Haus habe ich an den Stirnwänden mit einem Fachwerk versehen, das ich einem Bild aus meinem Buch "Historische Streifzüge durch Deutschland" nachempfunden habe. Anschließende noch mit einem Rauhputz (aus Moltofill) verputzt. Die Elektrik ist vorbereitet. Alle Zimmer und Flure sind "beleuchtbar". Leitungen sind unter Putz gelegt und Deckenrosetten bzw. Steckdosen gesetzt, so daß ich nur noch die Lampen einstecken muß.
Das Dach ist klappbar. Im Dachgeschoß habe ich ein Maleratelier und eine Schneiderwerkstatt untergebracht. Die Staffelei hat mir mein jüngerer Sohn angefertigt. Sie ist voll funktionsfähig und hat eine Höhe von 12,5 cm. Den "Malertisch" habe ich selbst entworfen und gebaut. Auch die Pinsel geschliffen und mit "richtigen Pinselhaaren" versehen. Sie haben einen Durchmesser vn 1,5 mm und eine Länge von 2,0 bis 2,5 cm (es sind mehrere). Die Palette stammt ebenfalls aus meiner Produktion.
Das Haus ist 120 cm breit, 97 cm hoch und 35 cm tief. Jedes Stockwerk hat eine Höhe von 25 cm, das Dachgeschoss 22 cm.
Inzwischen habe ich auch mein zweites Projekt fast fertig. Eine alte Weinstube. Sie ist als Schaukasten eingerichtet und hat ein Maß von B 40 cm, H 30 cm, T 35 cm. Der Boden ist mit kleinen Keramikkacheln gefliest, an den Wänden habe ich ein Paneel angebracht. Feuerstelle und Rauchfang ist auch vorhanden. Außerdem habe ich mich, nach einer Anregung von Gaby Pohl, im Puppenmachen versucht. Das Ergebnis seht ihr hier.
Ich arbeite fieberhaft an meinen Projekten, denn ich habe von unserer Gemeinde eine Einladung zur Hobby- und Kunstausstellung für das Frühjahr 2004 erhalten, und damit ich dies alles bis dahin schaffe, unterstützt mich mien Freundin Eva und hält mir den "Rücken frei", d. h. sie übernimmt alle meine sonstigen Arbeiten mit. Dafür danke ich ihr herzlich.
Ja, das war`s über mich.
Herzliche Grüße Rosemarie Bickel
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